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Michel (Wilde Zeiten)

Chris Pohl (Blutengel)

Christian Polanc (Let's Dance)

Louis Manke (Staubkind)

Am 10.August 2010 hatte das Saltatio-Magazin die Ehre den Frontmann der Bands Blutengel und Terminal Choice in seinem Studio in Berlin für ein Interview zu treffen.Es zeigte sich schnell, dass Chris ein guter Schauspieler abgibt, denn kennt man ihn von seinen Blutengelauftritten eher als arrogant, so ist er privat ein sehr höflicher und freundlicher Mensch.

Saltatio: Vor nun schon zehn Jahren hast Du Blutengel gegründet. Wie kam es zu dieser Bandgründung?

Chris P.: Eine oft gestellte Frage. Also ich hatte ja vorher das Seelenkrank-Projekt, was ich neben Terminal Choice, quasi meinem ersten Projekt, dann irgendwann mal ins Leben gerufen habe und ja, wie das leider in dem Business so ist, gab es da immer so doofe Sachen mit den Plattenfirmen, die nicht alles so schön machen, wie man es gerne hätte und da ist es nicht immer so leicht wieder aus den Verträgen rauszukommen, also habe ich einfach damals gesagt, weil ich sehr unzufrieden mit meinem Label war, Seelenkrank gibt es nicht mehr und habe mich halt einfach quasi neu gegründet und habe das auch gleich zum Anlass eben genommen um aus dem Vertrag rauszukommen, mir einen neuen Namen auszudenken. Nach langem Überlegen fiel mir der Name Blutengel ein und dann habe ich halt quasi Blutengel aus der Taufe gehoben und einhergehend auch so ein bisschen das Konzept geändert weil Seelenkrank davor ja eher so dieses Fetischmäßige textlich war und das mir dann einfach zu eingeschränkt war und mit Blutengel war ich dann offen, eigentlich alles zu machen. So fing das Ganze an.

Saltatio: Wie kamst Du auf den Bandnamen "Blutengel"?

Chris P.: Das ist einfach so: Man will sich einen neuen Namen ausdenken, ganz klar, und ich habe halt überlegt, was mich so interessiert und Blut finde ich sehr interessant, denn Blut ist Leben. Ohne Blut kann kein Mensch leben, das heißt: es ist der Motor des Lebens. Deswegen fand ich das Wort bzw. den Begriff sehr stark und sehr wichtig und Engel haben mich schon immer fasziniert. Nach langen Überlegungen kamen eben diese ganzen Worte - man schreibt sich dann irgendwelche Worte auf und versucht sich halt. Das fällt einem ja nicht einfach so spontan ein und irgendwie fand ich die Kombination super interessant. Auf der einen Seite kann ein Blutengel ja auch so etwas wie ein Vampir sein und da mich das auch fasziniert hat, fand ich den Namen sehr passend.

Saltatio: Wie hat sich Dein Leben durch die Musik verändert?

Chris P.: Das ist eine gute Frage. Es ist schwer zu sagen, es ist besser geworden. Ich arbeite mehr als früher, das muss man auch sagen, also das ist tatsächlich so. Es ist die Mischung, denn es ist wie eine Art Selbstständigkeit und jeder, der sich selbstständig macht, wird verstehen können, dass man dadurch natürlich mehr Arbeit hat, dass man zwar auch freier ist, weil man keine Vorgesetzten hat und man nicht irgendwie z.B. bestimmte Klamotten tragen muss, wenn man zur Arbeit geht und all solche Sachen, das war der erste Punkt, dass es einem das Freiheitsgefühl gibt natürlich, sicherlich - und sonst hätte ich es auch nicht gemacht - war es für mich auch finanziell eine gute Sache. Also ich habe es dann irgendwann geschafft von der Musik leben zu können. Man ist freier, man kann jeden Tag für sich selbt arbeiten und das ändert das Leben halt schon mal. In gewisser Art und Weise arbeitet man mehr, man ist aber innerlich entspannter und zufriedener und natürlich hat eine Selbstständigkeit oder das Musik-machen auch den Vorteil, dass man sich vielmehr um die Musik kümmern kann als vorher. Weil vorher entstand ja alles so neben der Arbeit. Also vorher waren meine Tage einfach unendlich lang, weil erst 8 Stunden arbeiten gehen und dann danach irgendwie Musik machen. Und so ist man entspannter, wenn man weiß, man kann den Tag über eigentlich machen, was man möchte. Das ist schon eine sehr positive Veränderung gewesen.

Saltatio: Wie hast Du angefangen und wo hattest Du Deinen ersten Auftritt mit Blutengel?

Chris P.: Na wie ich angefangen habe ist ja halt, dass ich quasi bei Seelenkrank weitergemacht habe, bloß eben ein bisschen die Musik verändert, aber grundsätzlich ist das ja alles gleich geblieben. 1.Auftritt war beim WGT (Anm. d. Redaktion: WGT steht für Wave Gotik Treffen in Leipzig) - lass mich lügen - 2001 glaube ich. Das war unser erster Auftritt. Es gab ja die Band schon ein bisschen länger sozusagen und ich wusste gar nicht, wie ich so einen Auftritt machen möchte oder wie das überhaupt sein sollte, ich habe mir da erst mal gar keine Gedanken gemacht, weil ich ja noch mit Terminal Choice aktiv war und da haben wir ja unsere Konzerte und Touren gemacht. Aber dann war es halt echt so, dass mich die Leute vom WGT angerufen haben und sagten "Hey, Du musst doch echt mal live auftreten und wir würden Dich wahnsinnig gern nehmen für eine Summe, die Du nicht ausschlagen kannst". Natürlich ist das so eine Sache, womit man die Leute so ein bisschen kötern kann und dann habe ich gesagt, na ja klar, Geld ist die eine Sache aber sie haben ja auch Recht, wenn dann soll es aber was Besonderes sein und sie meinten "OK, Du bekommst nicht nur viel Geld, Du bekommst auch die Headliner-Position in der Agrar-Halle und kannst dann wirklich da vor vielen Leuten auftreten". Das fand ich natürlich schon interessant und das war ziemlich weit vorher und da habe ich erst mal überhaupt angefangen mir Gedanken zu machen, wie das Live aussehen soll, weil so richtig Ahnung hatte ich nicht, mit Seelenkrank sind wir ganz ganz selten nur aufgetreten und ja, die Leute vom WGT waren quasi so dafür verantwortlich, dass wir uns überhaupt mal Gedanken gemacht haben, wie so eine Blutengelshow so aussehen sollte. Und dann hatten wir uns ein paar Gedanken gemacht und die damaligen Mädels, die dabei waren, haben halt angefangen zu proben, wie das so ist und ob wir das Live alles so hinbekommen. Wir haben uns damals dann halt gedacht, wir müssen Show machen, also irgendwelche Tänzerinnen suchen und da hatte ich eben das Glück, dass Gordons Freundin sozusagen da so ein bisschen Erfahrung hatte und da hat sich das dann alles so ergeben, weil die hatte wiederum auch eine Freundin, die auch Lust hatte da was zu machen und dann war das unser erster Blutengelauftritt zu fünft - also drei Gesangsparts und die zwei Showmädels. Ich war super aufgeregt, aber es kam gut an und das hat dann so auch eben den Kick gegeben, dass wir dachten: "Joa, das können wir öfter machen."

Saltatio: Mittlerweile hast Du ja mehrere Bands. Welches Deiner Bandprojekte macht Dir am meisten Spaß und wie kam es dazu, dass Du mehrere Projekte gleichzeitig hast?

Chris P.: Ich kann nicht immer nur eine Sache gut finden. Das liegt halt an verschiedenen musikalischen Geschmäckern, die ich habe und ich mag halt nicht, wenn Bands so alles machen, also wenn Du mal Gitarren hörst und dann wieder keine usw. und das war immer so eine komische Sache. Da habe ich mir gedacht, man kann ja ein Ding durchziehen und wenn man trotzdem noch was anderes machen will, dann sollte man einfach ein anderes Projekt nehmen und seine Ideen, die vielleicht zu einem Konzept nicht passen, dann woanders zu verwirklichen und das war ja damals auch so die Zeit, wo wir dann angefangen haben eben mit Terminal Choice mit Gitarren zu experimentieren, ich aber trotzdem auch rein elektronische Musik und auch mal was ruhigeres und ein paar Balladen wollte, das fand ich damals auch gut und das hat für mich bei Terminal Choice nicht so reingepasst, weil es eben so die "Party-Live-gib-ihm-mitten-in-die-Fresse"-Band war und da brauchte ich eben einen Ausgleich und deswegen war ich froh, dass ich eben Blutengel hatte und irgendwann als ich dann Tumor mal gegründet habe, dachte ich "man kann ja auch mal irgendwie nur mit Samples arbeiten und Krach machen und Du musst ja auch gar nicht selber singen" und so kam es dann, dass ich irgendwann mal drei Projekte hatte. Heutzutage, also jetzt, habe ich auch drei Projekte, wobei es ja Tumor nicht mehr gibt, aber eben Miss Construction da ist. Das ist immer so die Lust irgendwas anderes zu machen, nicht immer nur das Gleiche zu machen und auch mal eben mit Gordon in einer lustigen Stimmung rumzusitzen und sich da irgendwelche mehr oder weniger schwachsinnige Texte auszudenken und dann einfach mal so richtig Spaß zu haben und Blödsinn zu machen ohne sich schämen zu müssen und sich sagen zu müssen "oh, meine Fans werden das vielleicht komisch finden." Das wäre sicherlich so, wenn wir das mit Blutengel machen würden, deswegen sagen wir, das machen wir in einem anderen Projekt und Gordon wurde zum Frontmann auserwählt und insofern haben wir da beide Spaß - ich kann irgendwelche Musik machen, die sonst nicht so richtig irgendwo reinpasst und Gordon kann sich dann da live auslassen. Ja, es macht halt immer einfach Spaß was anderes zu machen. Da z.B. bei Miss Construction macht es halt Spaß, die Musik zu produzieren und dann halt zu Konzerten zu fahren aber ich weiß, ich gehe nicht auf die Bühne. Ich kann da unten stehen und sagen "Klingt ja gut, habe ich ja schön gemacht" und Gordon darf dann singen. Das hat auch mal etwas lustiges, weil es halt echt auch mal etwas anderes ist und das brauche ich einfach. Ich muss immer viele Sachen ausprobieren und dann auch machen.

Saltatio: Dein neuestes Projekt ist ja Miss Construction. Wie kam es dazu und wie bist Du auf den Bandnamen gekommen?

Chris P.: Wie ich dazu kam, habe ich ja fast schon gesagt. Wir waren in einer Schnapslaune *lacht* Nein, also irgendwann hatte ich echt keinen Bock mehr auf Tumor, weil Tumor war einfach so eine Sache, die relativ erfolgreich war, aber dann wusste man nicht, wie man das Live so macht, weil dann doch natürlich Leute uns vielleicht live buchen wollten. Wir haben dann gesagt "Na ja, so halb ohne Gesang ist doof, das live zu performen usw." und dann hatte ich teilweise schon auch wieder Gesänge drin, aber nicht so viele und da ist dann irgendwie das Konzept so ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Wir hatten einen Auftritt mal, da haben wir das tatsächlich geteilt, da hatten wir dann die erste Konzerthälfte nur instrumentale Tracks gespielt, haben dazu dann irgendwelche komischen, kranken Performances gemacht und dann die zweite Hälfte bin ich dann auf die Bühne gegangen und habe dann halt die Songs mit Gesang eben gesungen. Das war zwar lustig aber da war irgendwie nicht so ein roter Faden dahinter und das war mir alles ein bisschen zu... weiß ich nicht. Deswegen habe ich dann einfach einen Schlussstrich gezogen und habe gesagt, ich mache weiterhin so eine Musik aber ich mache es dann mit Gesang. Ich will allerdings nicht singen, ich brauche jemand anderes und da Gordon eh ständig hier ist, habe ich dann gesagt "Du bist gerade da, Du singst jetzt" *lacht* Nein, so haben wir uns damals halt besprochen und er fand die Idee natürlich ganz toll da mal so als Frontmann - wir stehen ja mit Terminal Choice sonst auch immer zusammen auf der Bühne aber da ist er ja nicht der Frontmann - und er fand die Idee schon irgendwie witzig. Ja, und da sind wir erstmal zu diesem Projekt als solches gekommen. Und wie wir auf diesen Namen gekommen sind, weiß ich jetzt gar nicht mehr so richtig. Also wir wollten irgendwie so einen komischen Namen machen, der mehrere Bedeutungen hat. Also Miss Construction in dem Sinne, jeder erwartet eine Miss weil es ja auch so geschrieben wird in zwei Worten. Also die Frau oder die Dame, die quasi etwas konstruiert in Wirklichkeit heißt es ja, wenn man es übersetzt eher sowas wie Fehlkonstruktion oder eine nicht ganz so geglückte Konstruktion. Das fanden wir dann total witzig, haben überlegt und dran rumgespielt und dachten so "Ja, Miss Bildung, die gebildete Frau sozusagen" und haben halt tierisch rumgespielt und haben uns dann auf Miss Construction geeinigt. Und dabei hatten wir dann auch ein paar andere Miss-Geschicke. Die haben wir dann so umgesetzt und das fanden wir dann auch ganz lustig. Wir wollten auch eher, dass die Band und das Projekt so eine Art Gesicht hat. Deshalb war auf dem Cover eine Dame drauf und ja man sollte nicht gleich das Duo Chris und Gordon sehen, sondern wir wollten uns eher so im Hintergrund halten also was zumindest die Pressebilder betrifft. Und deshalb haben wir uns ein Model gekrallt, das uns da so ein bisschen unterstützt hat mit ihren Fotos und ja, so ist das Ganze dann entstanden.

Saltatio: Gibt es einen Ort, der Dich besonder beim Texte schreiben inspiriert?

Chris P.: Ja, das habt ihr auch schon tausend Mal gefragt, oder? Ja, es ist meine Badewanne. Nach wie vor. Manchmal total blöd aber da ich so Schiwerigkeiten habe mich zu entspannen oder irgendwie mal alleine zu sein. Bei anderen Leuten ist es vielleicht das Klo, bei mir ist es eher die Badewanne. Da liegt man halt drin, hat sich entspannt und da stört Dich auch keiner, wenn man Glück hat und da kommen mir echt gute Ideen. Ja, also da entstehen schon mal Texte, das sage ich auch immer wieder gerne. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass ich hier im Studio die Texte entwickle. Also meistens so abends, wenn ich die Musik gemacht habe, dann höre ich mir die ganzen Instrumentaltracks an und dann habe ich meistens schon irgendwelche Themen und Ideen zu dem Thema im Kopf. Und die Konkretisiere ich dann auch gleich hier im Studio eben anhand der Songs. Also das kann man schon so sagen, der Großteil entsteht schon hier im Studio.

Saltatio: Welchen Tipp würdest Du jungen Musikern heutzutage geben?

Chris P.: Das ist ja mal eine schwere Frage. Ja, schwer zu sagen, was ich denen für Tipps geben würde *grübel* Ist immer die Frage welcher Art. Aber grundsätzlich würde ich denen sagen, erst mal sollen sie anfangen gute Musik zu machen und sollten vor Allem nicht versuchen etwas erfolgreiches zu kopieren, das finde ich sehr wichtig, dass man nicht sagt "Das funktioniert, wir wollen jetzt klingen wie...". Das habe ich noch nie gemacht und finde es auch immer wieder schade, weil es gibt so viele erfolgreiche Bands und dann kommen auch immer kurze Zeit später die Klone, die alle genauso klingen, die alle dieselben Sounds und Effekte benutzen und genauso singen und ihre Stimme verzerren. Du kannst es überhaupt nicht mehr auseinanderhalten, also eine gewisse Art von Individualität ist sehr wichtig. Also da sollte man auf jeden Fall großen Wert darauf legen als Musiker oder als Band. Ja, und vor Allem was auch sehr wichtig ist, sich nicht gleich von irgendwelchen Rückschlägen irgendwie quasi den Mut nehmen zu lassen. Heute ist es sicherlich leichter Musik zu machen und es ist auch leichter die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen durch Internet, Myspace usw. Das gab es ja damals zu meiner Zeit noch gar nicht, ich war ja froh, dass ich Telefon hatte. Also es ist schon leichter geworden, aber nichts desto trotz heißt es ja nicht, dass wenn der Plattenvertrag erfolgreich ist, dass man dann auf Tour gehen kann, da gibt es sicherlich noch einige Rückschläge, die eine junge Band erleben wird. Wichtig ist es einfach nicht aufzugeben und an sich zu glauben und das Ding durchziehen. Und vor Allem, das was ich erfahren habe oder oftmals gemerkt habe, ja viele Bands, die meinen es nicht Ernst. Aber man sollte es schon Ernst nehmen. Man sollte schon, wenn man wirklich sagt, man möchte Musiker werden und möchte Musik machen, sollte man es wirklich Ernst nehmen und alles dafür geben natürlich nicht über Leichen gehen aber man sollte nicht sagen "Ach ja, wenn ich auf Tour gehe, das passt mir nicht, dann kann ich nicht mit meiner Freundin in Urlaub fahren". Dann muss man halt den Urlaub verschieben und muss halt wirklich Chancen, die sich einem bieten, nutzen und viele nehmen das echt sehr locker, wenn sie mal eine Chance haben und sagen "Ach, ich weiß nicht, ja, nein, passt halt nicht gerade". Da merkst Du dann immer, wer ein echter Musiker ist und wenn jemand zu Dir sagt "Du hast die Chance, da und da zu spielen vor so vielen Leuten" dann muss jeder, der es Ernst nimmt sagen "OK, scheißegal" wenn es jetzt nicht gerade etwas gesundheitliches oder familiäres ist, "dann packe ich meine Sachen, fahre da hin und mache das Ding" sozusagen. Das ist halt sehr wichtig, dass man merkt, dass man dran glaubt und das Ding durchzieht.

Saltatio: Hast Du einen Favoriten unter den Blutengel-Liedern?

Chris P.: Das kann ich nicht wirklich beantworten, weil grundsätzlich finde ich natürlich alles gut, sonst hätte ich es nicht gemacht. Aktuell finde ich dann immer Sachen gut, die ich gerade mache. Also das heißt vom neuen Album, das noch keiner kennt, habe ich eine Menge Favoriten. Also speziell das eine Lied, wo ich sage "Das ist mein bisheriges Meisterwerk", aber das hättest Du mich auch zur letzten Platte fragen können, dann hätte ich wahrscheinlich auch eines genannt, also das ist immer so schwer zu sagen. Also so wirkliche Lieder, gibt es da nicht. Ich kann da natürlich sagen, was ich halt gut finde, das mir zum Beispiel Live extrem Spaß macht ist "Engelsblut", das ist halt so ein Knaller, wo ich sage "Das macht total Spaß es live zu singen. Es macht Spaß, wenn die Leute mitmachen. Das ist immer noch so ein Alltime-favorite, sozusagen. Obwohl der ja noch gar nicht so alt ist, aber der macht halt schon Spaß. Alle anderen Lieblingslieder oder so, die sind noch quasi auf meinem Rechner.

Saltatio: Gibt es Dinge bzw. Ziele, die Du noch erreichen möchtest?

Chris P.: Ja, das ganz bescheidene Ziel, eigentlich noch ein paar Jahre so weitermachen zu können, das ist so das naheliegenste Ziel, weil das ist ja nun auch nicht alles so selbstverständlich. Man muss ja doch jeden Tag so ein bisschen kämpfen, es gibt immer andere Bands, es gibt Konkurrenz usw. und ja, mein Ziel ist es, sogar noch 10 Jahre machen zu können. Dann wäre ich sehr zufrieden. Und ich hätte noch ein paar hohe Ziele. Hohe Ziele sind über die Jahre noch mehr Fans zu kriegen, ganz klar, noch vollere Konzerthallen, das ist immer so ein Ziel oder eher ein Wunsch, denn das kann man nicht beeinflussen. Tja, das sind so die Ziele oder was weiß ich. Aber das eigentliche Ziel ist es einfach noch weiter machen zu können und nicht zu denken "Oh Gott, morgen ist alles vorbei".

Saltatio: Es gibt den einen oder anderen Musiker der Szene, der sich auch im Radio oder Fernsehen präsentiert. Was würdest Du davon halten, wenn Deine Musik im Radio laufen würde?

Chris P.: Warum kommt mir die Frage so bekannt vor? Na ja, ich muss dazu sagen, ich hätte definitiv nichts dagegen. Also ich fände es schön, wenn man meine Musik im Radio hören könnte und ich fände es auch nicht schlecht, wenn man meine Videoclips im Fernsehen sehen würde. Einfach weil wenn ich etwas mache, dann finde ich es gut und dann möchte ich das natürlich auch allen Leuten präsentieren, möchte nicht, dass mich jeder unbedingt mag aber ich möchte zumindest, dass die Leute zur Kenntnis nehmen, was ich so mache. Innerhalb der Szene hast Du natürlich einen fest gesteckten Rahmen also die normale Masse guckt ja in dem Sinne nicht in die Szene hinein, sondern wenn was aus der Szene rausguckt, dann kriegen sie es mit und entscheiden, ob sie es vielleicht auch gut finden oder nicht. Diese Sache finde ich natürlich schon gut und ich bin auch der Meinung, also wenn jemand außerhalb der Szene meine Musik hören würde, wü:rden einige bestimmt meine Musik auch gut finden. Sicher würden einige dazu sagen "Was ist denn da schief gelaufen?" Aber als Künstler hast Du immer den Wunsch, von so vielen Leuten gehört, gesehen oder sonstwas zu werden. Also Maler machen Ausstellungen, und da kann jeder hingehen und ganz sich die Sachen, die sie sich mal ausgedacht haben, die Kunstwerke angucken und genauso ist es auch als Musiker. Also die Lieder, die ich mache, möchte ich eigentlich schon, dass sie jeder hören kann. Das Problem ist eigentlich, dass viele Leute gar nicht wissen, dass wir existieren. Deswegen finde ich das schon positiv, wenn man da im Radio und im Fernsehen irgendwie eine Plattform hat, wo man den Leuten die Möglichkeit gibt, sich mit einem zu beschäftigen. Das fände ich schon positiv. Solange man eben man selbst bleibt.

Saltatio: Du hast in der Vergangenheit schon mal in einem Film mitgewirkt - Kinder der Nacht2 - Wie kam es dazu und könntest Du Dir vorstellen, nochmals als Schauspieler vor der Kamera zu stehen?

Chris P.: Ja, leider ein Film, der bis dato noch nicht veröffentlicht wurde, warum auch immer. Wie es dazu kam, gute Frage. Ich kannte einen von den Leuten, die da den Film gemacht haben. Den kannte ich so aus der Musikgeschichte. Also der hat halt mal bei einem Magazin gearbeitet usw. Mit dem habe ich auch schon Interviews gemacht und irgendwann hat der mich mal gefragt und mir das Projekt vorgestellt. "Ja, hier das ist so ein Ding, und wir wollen da gerade irgendwelche Szeneleute haben, die da auch kleine Rollen spielen." Das war natürlich super interessant, grundsätzlich muss ich ehrlich sagen, ich hätte da total Bock eigentlich sowas zu machen. Also es ist so, dass ich sage: "Vielleicht entdeckt man mich ja noch und ja, OK, für Musik wirst Du langsam zu alt, aber so als Schauspieler oder sowas..." Also in gewisser Weise, bist Du ja auch als Musiker auf der Bühne so eine Art Schauspieler, also zumindest wir, weil wir da schon ne Performance machen. Weil wir da auf vieles achten, uns da selbst darstellen und zumindest kann ich mir gut vorstellen, dass es auch im Film gut klappen könnte und wenn man mich nochmal irgendwann fragen würde, würde ich bestimmt ja sagen. Weil es einfach eine spannende Geschichte ist, einfach was mir damals gefallen hat, ich habe es vorher noch nie gemacht und fand es sehr witzig, da irgendwas zu tun und nachher zu sehen, wie es letztendlich aussieht. Das fand ich total spannend und würde ich jederzeit wieder machen.

Saltatio: Du zeigtest Dich bei Auftritten häfig als Vampir und hattest dieses Thema immer wieder in Deinen Texten. Wenn Du einem echten Vampir begegnen würdest, was würdest Du ihm sagen?

Chris P.: Guten Tag. Was ich ihm sagen würde? Keine Ahnung. Ich würde sagen "Hey, stimmt es eigentlich alles so, wie man das so ausdrükt oder wie man es liest, wie man es hört? Ist das alles so?", würde ich ihn wahrscheinlich fragen. Ansonsten weiß ich nicht. Vielleicht würde ich ein Bier oder ein Glas Blut mit ihm trinken. Lustige Frage. Ja, keine Ahnung. Also ich finde das alles sehr faszinierend, ja keine Ahnung. Also da wäre ich wahrscheinlich ein bisschen überfordert, wenn jetzt wirklich jemand vor mir stehen würde und sagen würde: "Ich bin ein echter Vampir". Und, weiß ich nicht, also ich finde das schon interessant, aber ich finde das wirklich gut, sonst würde ich das nicht machen. Und das kommt tatsächlich vereinzelt vor, also dieses Düstere und wie ich vorher schon sagte zur Namensfindung Blutengel, dass man einfach das Blut als sehr wichtig erachtet. Eben weil manche Vampire brauchen es auch zum Leben, aber eben ja nicht Engel. Und das ist halt eine spannende Geschichte. Deshalb fasziniert es mich halt und ich denke mal, ich kann mich gut unterhalten mit dem Vampir.

Saltatio: Letzte Frage: Was möchtest Du Deinen Fans gerne mit auf den Weg geben?

Chris P.: Kauft euch alle die neue Blutengel-CD. Die wird der Hammer, der Knaller. Ja, was ich ihnen mit auf den Weg geben möchte: Ja, die sollen mir, wenn es geht, treu bleiben und ja, weiß ich nicht, sollen sich nicht von irgendwelchen Sachen beeinflussen lassen und ja, sollen auch unserem nächsten Album eine Chance geben. Und, ich denke, dass ist wirklich ein gutes Album, das wir da gerade zusammenschrauben.

Saltatio: Danke für das Interview.

Chris P.: Ja, sehr gerne!

Bericht: Sabrina S.
Fotos: Bernd S.