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Michel (Wilde Zeiten)

Chris Pohl (Blutengel)

Christian Polanc (Let's Dance)

Louis Manke (Staubkind)

Interview mit Michel, dem Frontmann von Wilde Zeiten

Saltatio: Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen Bestehen Deiner Band Wilde Zeiten!

Michel: Vielen Dank!!!

Saltatio: Und wenn wir schon dabei sind:
Du bist ja schon lange Sänger, denn vor Wilde Zeiten hattest Du bereits 7 Jahre lang die Band Untergangskommando. Wie kamst Du zum Singen?

Michel: Ich war zuerst viele Jahre im Kirchenchor in Dudenhofen/Pfalz, wir hatten den Domchorleiter aus Speyer als Chorleiter, der war sehr anspruchsvoll! Das war anstrengend und gleichzeitig geil, weil sich das dadurch teilweise manchmal ganz gut angehört hat! Zu dieser Zeit hatte ich viel mit Jugendarbeit zu tun, und war begeisterter "Mundorgel"-Lagerfeuer-Sänger! Ich wurde dann 1989 Tote Hosen- Fan, wodurch sich mein Gesangsstil etwas veränderte... (Michel grinst!)

Saltatio: Neben Wilde Zeiten hast Du auch noch Dein Solo-Projekt Michel Unplugged, das musikalisch eher etwas ruhiger wirkt. Wie ist das entstanden?

Michel: Oft schreibe ich neue Songs einfach mit Westerngitarre, und nehme sie dann auf, um sie meinen Jungs in der Band zu zeigen. Oft sind da Lieder dabei gewesen, die zu langsam, zu ernst oder zu schwer für unsere Band Wilde Zeiten waren. Irgendwann dachte ich dann, es wäre doch schade, sie deshalb den Leuten vorzuenthalten. Also ist ein Soloprojekt entstanden, indem ich viele Lieder, die nicht so gut ins Bandkonzept passen, aber trotzdem schön sind, veröffentliche. Außerdem kann ich da auch sorgenfrei Peter Schilling und Tote Hosen- Lieder covern, ohne damit meinen Jungs zu penetrieren!

Saltatio: Wilde Zeiten und auch davor Untergangskommando kann man als Deutsch-Punk bezeichnen. Ist das auch privat Deine Musikrichtung?

Michel: Nee, eigentlich nicht!! Ich mag sehr viele Deutschpunk-Bands, vor allem die, die sich über ihre Texte Gedanken machen. Mir gefällt aber ein ständig dagegen sein, Scheiß Staat, usw überhaupt nicht. Das ist mir zu destruktiv. Ich habe vor ein paar Tagen das Glück gehabt, mir die Argies aus Argentinien anschauen zu können, das ist viel eher mein Ding! :-)

Saltatio: Hast Du eigentlich ein musikalisches Vorbild? Und wenn ja, warum gerade diese Person oder diese Band?

Michel: Vorbilder sind für mich Peter Schilling und die Toten Hosen. Beide sind extrem leidenschaftlich, das ist wohl der Grund, warum sie mich so anziehen. Ich mag es, wenn jemand 100% hinter dem steht, was er tut! Auch musikalisch mag ich die einfachen Akkordfolgen aus der Mundorgel und aus den Achtzigern, das ist eben meine Prägung. Sowohl die Hosen als auch Herr Schilling musizieren heute noch auf diese einfache, schöne Art, ich fühle mich da auch zurückversetzt in diese Zeit, das fühlt sich einfach geil an!!

Saltatio: Ihr habt auch schon auf größeren Festivals wie dem Force Attack oder Punk im Pott gespielt. War es für Dich anders, plötzlich ein so großes Publikum vor Dir zu haben oder macht die Größe des Publikums für Dich keinen Unterschied?

Michel: Je weniger Leute auf dem Konzert sind, umso eher kannst Du improvisieren, Quatsch machen, auf Wünsche eingehen, Dich versingen, überziehen... Bei den Festivals muss hingegen alles stimmen, Timing, Moderationen,... Ich spiele unplugged meistens vor ca 15-40 Gästen in kleinen Kneipen und liebe das sehr, weil sich da einfach eine ganz intime, persönliche Atmosphäre entwickelt. Die Festivals liebe ich genauso, weil diese Größenordnung einfach total berauschend ist! Ich möchte echt beides nicht missen!!!

Saltatio: Kommen wir zum Abschluss mal noch zu einem anderen Thema, das sich sicherlich schon viele Menschen gefragt haben: Frosch Darius ist ja unumstritten mittlerweile Kult und darf nie fehlen. Aber wie kam es dazu? Und warum ausgerechnet ein Frosch?

Michel: Ich muss gerade lachen, denn Darius sitzt hier direkt neben mir auf dem Schreibtisch und schaut mir zu! Ich habe vor vielen Jahren mal festgestellt, dass Stofftiere Energie und Emotionen speichern und an andere Menschen übertragen können, sogar dann, wenn man als "Besitzer" nicht dabei ist! Das klingt verrückt, aber ich habe da schon ganz besondere Momente erlebt. Darius kam vor fünf Jahren in Österreich zu mir. Er saß in einer Hotelvitrine und schien zu sagen: "Nimm mich mit, ich gehöre zu Euch". Auch mein Frauchen Bine hat sich sofort in ihn verliebt. Inzwischen ist er auf den meisten Wilde Zeiten- Videos irgendwo versteckt zu sehen, sitzt bei meinen unplugged-Konzerten immer mit auf der Bühne. Er war schon in den Alpen und an der Ostsee, er hat viel zu erzählen! Er hat mich gerade gebeten, die Leser dieses Interviews von ihm zu grüßen. Er hätte gerne noch ein paar Fragen beantwortet, aber es gibt gleich Mittagessen!

Saltatio: Ich danke Dir, dass Du Dir Zeit genommen hast, uns dieses Interview zu geben und hoffe, dass wir noch ganz viel von Dir und Wilde Zeiten hören werden.

Michel: Vielen Dank und alles Gute an Sabrina und das Saltatio-Magazin für die Fragen und liebe Grüße an das Team und die werten Leser!!
Michel

Bericht: Sabrina S.
Fotos: Michel; Susanne Zech (lautundwild.de)